Das Schichtsystem bei Outdoorbekleidung - Teil 6: Shell

Heute gibt es den letzten Teil 6 unserer Blogserie „Schichtsystem für Bekleidung im Outdoorbereich“.
Wir klären euch über die äußere Hülle der Bekleidung auf, die immer dann zum Einsatz kommt, wenn regnerisches Wetter herrscht.

Shell
Die Grundvoraussetzung ist eine wasserdichte oder stark wasserabweisende Jacke. Klären wir einmal kurz, was es mit der Wassersäule, welche die Wasserdichtigkeit angibt, auf sich hat. Die sogenannte Wassersäule wird in mm (Milimeter) angegeben und symbolisiert den Wasserdruck, den das Material aushält, bevor Wasser ein- oder durchdringt. Je höher die Wassersäule ist, desto länger hält sie dem Druck stand und umso länger hält sie dicht. Gemessen wir das ganze, indem ein Zylinder auf das Material gesetzt und dieser mit Wasser gefüllt wird. Hat das Material eine Wassersäule von 1.000mm, kann also ein Meter Wasser auf dem Material lasten, ohne dass es durchdringt.

Aber ab wann ist ein Material „wasserdicht“? Nach EU-Richtlinien wird hierfür eine Wassersäule von 800mm benötigt. Wenn man aber nun weiß, dass das Sitzen auf einer nassen Wiese ungefähr 2.000mm Wassersäule entspricht, sollten wir über höhere Werte nachdenken, damit wir wirklich trocken bleiben. Für eine Regenjacke sollte man im Outdoorbereich auf mindestens 10.000mm Wassersäule gehen, denn Rucksäcke, das Hinknien usw. sorgen oftmals dafür, dass der Druck an diesen Stellen höher ist und ggf. Wasser eindringen kann. Die Wasserdichtigkeit lässt sich bei Jacken über zwei Verfahren erreichen. Die Jacke kann entweder mit einer Membran ausgestattet sein, wie Gore-Tex, oder sie ist beschichtet. Eine Beschichtung kann sich mit der Zeit abnutzen und muss dann erneut aufgetragen werden. Wie ihr eure Shelljacken richtig pflegt, erfahrt ihr in einem extra dafür erstellten Blogartikel.

Kommen wir aber nun zu den Jacken. Wir unterscheiden hier zwei Varianten. Während die sogenannten Hardshells „echte“ Regenjacken und damit wasserdicht sind, verfügen Softshells über eine wasserabweisende Beschichtung. Warum dann eine Softshelljacke nutzen? Nun, das Material ist weicher, manchmal sogar elastisch und raschelt nicht so stark. Wenn es bei eurer Tour nicht den ganzen Tag bzw. die ganze Zeit regnen soll, reicht eine Jacke dieser Art oftmals aus. Auch wenn ihr körperlich sehr aktiv seid, ist eine Softshell besser geeignet, da sie atmungsaktiver ist. Softshelljacken sind darüber hinaus auch preisgünstiger.
Im Unterschied dazu sind Hardshelljacken wasserdicht und fangen ob bei einer Wassersäule von 6.000mm an. Moderne Hardshells sind zwar nicht mehr vergleichbar mit den (gefühlten) Plastiktüten von früher, die zwar den Regen abhalten, einen aber selbst derart schwitzen lassen, dass man trotzdem nass ist, aber genauso atmungsaktiv wie Softshells sind sie trotzdem nicht. Einige Jacken verfügen daher über Unterarmreißverschlüsse, über die ihr Durchlüften könnt und Zirkulation stattfinden kann. Ihr findet auch immer wieder Angaben wie 2-, 2,5- und 3-Lagen. Je mehr Lagen, desto dicker und abriebfester ist das Material, aber auch umso schwerer und teurer wird die Jacke. Wer oft und lange mit einem schweren Rucksack unterwegs ist, sollte daher eher zu 3 Lagen greifen. Wer nur kurze Touren mit leichtem Gepäck unternimmt, für den reicht auch eine 2- oder 2,5 Lagen Jacke. Wichtig ist neben dem Material auch die Verarbeitung. Denn die größten Schwachstellen an Regenjacken sind oft die Nähte und Reißverschlüsse. Nähte sollten von innen getaped sein, d.h. es befindet sich eine Art wasserdichtes Klebeband über der Naht. Da die Nadel ein Loch in das Material sticht, um den Faden durchzuziehen, kann hier ansonsten Wasser eindringen. Auch beim Reißverschluss ist darauf zu achten, dass dieser entweder mit einer Abdeckleiste innen oder außen verdeckt wird und/oder selbst wasserdicht ist. Letzteres erkennt man gut, da die Zähne nochmals mit einer Art Gummischicht überdeckt sind, damit durch sie kein Wasser eindringt.

Wie ihr beim Stöbern in unserem Shop sicherlich bemerkt habt, gibt es bei vielen Jacken Kombinationen aus unterschiedlichen Schichten, zum Beispiel Softshelljacken mit innenliegendem Fleece, Windjacken, die gleichzeitig auch wasserabweisend sind oder winddichte Fleecejacken. Auch 3in1 Jacken, bei denen ein Midlayer, meist aus Kunstfasern, in eine Softshell oder Hardshell Jacke eingezippt werden kann, sind weit verbreitet. Hier gilt es sich vorab einen guten Überblick über die unterschiedlichen Produkte zu verschaffen und seine eigenen Bedürfnisse zu prüfen, um gute Kombinationen zu finden.

Der Fokus bei diesem Blogbeitrag liegt hauptsächlich auf den Bekleidungsschichten des Oberkörpers, da wir darüber die meiste Wärme verlieren. Das System kann auch für Hosen, Handschuhe, Socken und Kopfbedeckungen in großen Teilen angewendet werden. Atmungsaktive Hosen in unterschiedlichen Kombinationen mit langen Unterhosen, einer Isolationsschicht und einer wasserdichten Überhose retten einem so manche Tour. Gleiches gilt ebenfalls für Kopfbedeckungen und Handschuhe; auch hier gibt es windabweisende, wasserdichte und wärmende Produkte unterschiedlicher Dicken für verschiedenste Umgebungen und Lagen.
Achtet beim Kauf eurer einzelnen Schichten auch darauf, dass diese auch wirklich übereinander getragen werden können. Gerade bei den äußeren Schichten kann dies dazu führen, dass ihr diese ggf. eine Nummer größer nehmen müsst als gewohnt. Wir beraten euch gerne und sind in unserem Store in Düsseldorf auch mit Anprobe und Größentests immer für euch da.


Hier gibt es die anderen Teile unserer Blogserie:
Teil 1: Grundlagen
Teil 2: Baselayer
Teil 3: Midlayer - Fleece
Teil 4: Midlayer - Isolation
Teil 5: Windlayer

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